Bildung
Vier Schulrätinnen im Gespräch über ihre politischen Erfahrungen.
Mit ihrem Engagement in einer Kommission leisten Frauen einen wertvollen Beitrag für die Gemeinde und beweisen damit, dass Politik nicht nur Männersache ist.
Die Interviewrunde zum Thema Bildung:
Jeanette Tschütscher, Susanne Eberle-Strub, Erna Näscher und
Dagmar Bühler-Nigsch
Jeanette Tschütscher, Ruggell: Seit 07 im Schulrat, Präsidentin Elterforum Ruggell.
Susanne Eberle-Strub, Vaduz: Seit 03 GR und seit 07 Schulratspräsidentin, daneben aktiv in weiteren Kommissionen, Verwaltungsräten und Stiftungen.
Erna Näscher, Gamprin: Seit 1999 GR und Schulratspräsidentin, aktiv in weiteren Kommissionen.
Dagmar Bühler-Nigsch, Triesenberg: Seit 04 im Schulrat, Präsidentin Elternvereinigung.
Was steht bei Ihnen im Schulrat momentan auf der Traktandenliste?
Susanne: In Vaduz ist momentan die Arbeit in der Arbeitsgruppe „Tagesschulangebot Vaduz“ sehr intensiv.
Erna: Eines der zentralen Themen in Gamprin ist der Neubau von Schule und Kindergarten.
Dagmar: In Triesenberg ist es die Umsetzung der geplanten Zusammenlegung von Schul- und Kindergartenleitung.
Jeanette: Auch in Ruggell ist die Zusammenlegung der KG-und PS-Schulleitung ein Thema, zudem stehen bauliche Massnahmen im Bereich Spielgruppe-Kindergarten, womöglich auch schon bald im Zusammenhang mit einem Tagesstrukturangebot, an.
Haben die Kommissionsmitglieder, selbst wenn sie keine Gemeinderatsmitglieder sind, einen Einfluss auf die Traktandenliste?
Erna: Vieles ist vorgegeben: Geschäfte von Seiten des Schulamts, das alljährliche Budget, Neuanstellungen, usw. Daneben haben die Kommissionsmitglieder aber immer die Gelegenheit, eigene Traktanden einzubringen, ungeachtet dessen, ob sie nun im Gemeinderat sind oder nicht.
Jeanette: Das kann ich bestätigen. Wir bekommen immer eine provisorische Traktandenliste, die wir ergänzen oder wir können unsere Anliegen unter Varia direkt an der Sitzung einbringen.
Dagmar: Hier habe ich unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Für mich ist die Traktandenliste manchmal zu wenig erklärend. Unter Varia bleibt dann nicht genug Zeit zu diskutieren, obschon dort oft Wichtiges zum Vorschein kommt.
Susanne: Dem Punkt Varia wird bei uns genügend Zeit eingeräumt. Ausserdem können die Kommissionsmitglieder können im Voraus für sie wichtige Traktandenpunkte melden.
Im Gegensatz zum Gemeinderat, dessen Wahl immer auch parteipolitisch motiviert ist, sollte für die Mitarbeit in der Kommission die Parteizugehörigkeit keine Rolle spielen. Hand aufs Herz, ist das wirklich so?
Susanne: Bei uns auf jeden Fall, weder im Gemeindeschulrat, noch sonst in irgendeiner Kommission. Ausserdem sind ja gerade im Schulrat auch Vertreter der Elternvereine dabei und da geht es wirklich nur um den Bezug zum Thema und nicht um Partei.
Erna: Im Prinzip kann ich das unterschreiben, obwohl die Kommissionen von den Parteien zusammengestellt werden. Doch in 10 Jahren Gemeinde- und Schulrat wäre mir noch nie aufgefallen, dass in den Kommissionen Parteipolitik betrieben wird.
Jeanette: Ich bin vielleicht ein gutes Beispiel dafür, denn als Schweizerin darf ich ja noch nicht einmal wählen.
Dagmar: Hätte ich mich damals parteipolitisch engagieren müssen, um in die Kommission zu kommen, hätte ich mich schwergetan. Ich war froh, dass dieser Punkt nicht relevant war.
Wie gehen Sie damit um, wenn Sie die Mehrheitsmeinung in der Kommission nicht teilen?
Jeanette: Damit muss man leben, immerhin kann man seine Meinung ja vertreten.
Erna: Genau, und man kann nicht erwarten, dass alle diese Meinung teilen.
Dagmar: Es kommt darauf an, wie der Entscheid zustande kommt. Stichwort SPES. Das war bei uns innerhalb des Schulrats ein Prozess, der nicht befriedigend abgelaufen ist.
SPES war sicherlich in allen Schulratskommissionen das Thema im vergangenen Jahr.
Erna: Ich kann mich erinnern, dass wir uns im GR schon ziemlich früh mit SPES beschäftigt haben und dann im Schulrat auch die Aufgabe hatten, dem GR eine Stellungnahme abzugeben. Genau wie bei Dagmar war SPES eines der wenigen Themen, bei denen der Konsens nicht von Anfang an da war.
Susanne: Bei uns schon; hitzige Debatten blieben deshalb aus.
Jeanette: Das Wichtigste am ganzen Prozess war für uns eine fundierte Informationsbeschaffung über SPES.
Hat man als Kommission überhaupt Einfluss auf Themen, die das Land betreffen?
Susanne: Wenn es darum geht, Stellungnahmen zu Vernehmlassungen abzugeben, gibt es in der Tat viele Fragen. Wer liest sie, wie werden sie gewichtet und aufgenommen?
Erna: Ich glaube, wenn gesehen wird, dass viele Gemeinden in etwa dieselben Ansichten vertreten, findet das sicher Gehör in der Regierung.
Susanne: Auf Gemeindeebene ist der Einfluss einer Kommission jedenfalls grösser. Jüngstes Beispiel in Vaduz ist das geplante Tagesschulangebot. Damit waren wir als Kommission mehr als einmal im Gemeinderat und als Fachgremium auch geschätzt.
Alles Themen, die viel Sachverstand fordern. Was befähigt eine Frau zur Arbeit in einer Kommission?
Susanne: Motivation und Einsatzbereitschaft. Das gilt für Frau und Mann gleichermassen. Und natürlich Interesse am Thema. Ich bewerbe mich ja nicht in der Baukommission, wenn ich keine Affinität dazu habe.
Erna: Wieso nicht? Gerade der Baubereich ist unheimlich interessant. Einen Prozess wie bei uns gerade den Schulneubau hautnah mitzuerleben, ist lehrreich und spannend zugleich.
Susanne: Vielleicht hast du Recht. Die Verteilung von Mann und Frau in den einzelnen Kommissionen ist schon ein bisschen klischeehaft. Frauen in den Sozialbereich. Männer zur Bau- oder Sportkommission.
Erna: Das gilt nicht überall. Unsere Baukommission hat eine Vorsitzende.
Dagmar: Frauen sollten sich mehr zutrauen und Interesse zeigen. Ich habe selbst Interesse bekundet für die Mitarbeit in der Arbeitsgruppe Kinderbetreuung. Diese Eigeninitiative wurde dankbar angenommen und daraus entstand die spätere Nomination in den Schulrat. Auch den Politiklehrgang für Frauen habe ich absolviert und kann ihn nur weiterempfehlen.
Jeanette: Der Einstieg kann auch über ein anderes Gremium erfolgen, wie bei mir mit dem Elternforum. Man lernt die Materie kennen, gewinnt Selbstvertrauen und vielleicht auch Motivation, einen Schritt weiter zu gehen.
Sie setzen sich mit Engagement und Wissen für Ihre Gemeinde ein. Was bekommen Sie zurück?
Dagmar: Mir hat diese Aufgabe geholfen, mich als Schaanerin in Triesenberg besser zu integrieren.
Erna: Mein Verständnis für die Entscheidungen der Gemeinde ist ein ganz anderes als vorher. Wenn man die Hintergründe sieht, wird vieles relativiert.
Susanne: Der Einblick hinter die Kulissen der Gemeinde ist sehr interessant und das Leiten einer Kommission sehr lehrreich.
Jeanette: Sich in die Diskussion einzubringen und auch gehört zu werden, bringt einem in eine aktive Position in der Gemeinde und das ist eigentlich ein gutes Gefühl.

