Familie
Vier Frauen aus den Kommissionen Familie/Senioren im Gespräch über ihre politischen Erfahrungen.
Mit ihrem Engagement in einer Kommission leisten Frauen einen wertvollen Beitrag für die Gemeinde und beweisen damit, dass Politik nicht nur Männersache ist.
Die Interviewrunde zum Thema Familie/Senioren:
Irene Mündle, Eva Johann, Ruth Sele
Antonia Jehle-Vogt
Irene Mündle, Mauren: GR seit 3 Jahren. Vorsitzende der Kommission Familie und Senioren sowie im Projekt „älter werden in Mauren“.
Eva Johann, Triesen: GR seit 3 Jahren. Vorsitzende Ressort Soziales. Davor langjähriges Mitglied der Kulturkommission.
Ruth Sele, Triesenberg: Seit 2 Jahren Mitglied der Kommission Familie, Alter und Gesundheit.
Antonia Jehle-Vogt, Planken: Seit 3 Jahren Mitglied der Kommission Familienhilfe/Gesundheit, selbständig.
Wie seid ihr zu eurem Engagement in der Kommission gekommen?
Ruth: Mich hat eine Nachbarin, die bereits in der Kommission war, angefragt, ob ich auch Interesse hätte. Da ich gerne etwas zum Gemeinwohl beitragen wollte, habe ich zugesagt.
Eva: Ich wurde vor vielen Jahren für die Mitarbeit in einer Kommission angefragt. Das hat so viel Spass gemacht, dass ich später dann auch bei der Anfrage um Kandidatur in den GR nicht sehr lange überlegen musste.
Irene: Anlässlich der ersten Gemeinderatssitzung nach den Wahlen wurden die Ressorts diskutiert und zugeteilt. Ich fühlte mich für das Ressort Familie und Senioren von meinen Anlagen her betrachtet am besten geeignet.
Antonia: Ein Mitglied der Kommission fragte mich an, und da ich mich schon viele Jahre mit diesem Thema auseinandersetze, sagte ich zu.
Welche Themen sind im Moment in euren Kommissionen aktuell?
Antonia: Seit mehreren Jahren organisieren wir Koch- und Gymnastikkurse, die grossen Anklang finden. Auch Vorträge zu verschiedenen Themen gehören in unser Programm. Wir von der Gesundheitskommission besuchen ausserdem seit 3 Jahren einmal im Monat die Schule in Planken und bereiten gemeinsam mit den Schülern einen gesunden Znüni zu.
Irene: In Mauren führen wir beispielsweise jährlich den „Murertag“ im Haus St. Martin in Eschen durch. Für die Familien organisieren wir bereits zum dritten Mal eine Herbstferienwoche für Daheimgebliebene und zur Einstimmung auf Weihnachen gibt es das beliebte Adventsfenster. Im Projekt „älter werden in Mauren“ beschäftigen wir uns momentan v.a. mit dem geplanten Betagtenwohnheim, ähnlich wie eines derzeit in Triesenberg realisiert wird.
Ruth: Ja, der Rohbau steht bereits. Die Kommission wirkt jeweils bei den Anlässen mit, bei dem über den Stand der Dinge in Sachen Betagtenwohnheim informiert wird. Auch bei uns gibt es regelmässige Anlässe wie den Seniorenausflug, bei dem wir den Tag mit den Daheimgebliebenen gestalten.
Eva: Auch in Triesen organisieren wir jedes Jahr den Seniorenausflug. Um zu erfahren, was wir in der Gemeinde noch für unsere Senioren tun können, haben wir eine Arbeitsgruppe gebildet. Dabei haben wir natürlich auch geprüft, was das Land sowie die anderen Gemeinden in dieser Hinsicht machen.
Meine Frage an die Gemeinderätinnen: Ist euch das Interesse an der Politik in die Wiege gelegt worden, ist es sozusagen eine Weiterführung der Familientradition?
Eva: Bei uns hat politisches Engagement tatsächlich Tradition. Schon mein Grossvater war Vorsteher, mein Vater Vize-Vorsteher. Politik war also immer ein Thema, dem ich allerdings als Jugendliche noch wenig Interesse entgegengebracht habe. Erst durch die Kommissionsarbeit habe auch ich Feuer gefangen.
Irene: Sowohl in meinem Elternhaus wie später zu Hause mit meinem Mann wurde immer wieder über Gemeindepolitik und auch über Politik ganz allgemein diskutiert. Die Anfrage zu kandidieren hat mich überrascht und auch etwas stolz gemacht. Ich habe diesen Schritt auch noch nie bereut.
Könnte die Kommissionarbeit vielleicht auch ein Schritt in Richtung Gemeinderat sein?
Ruth: Also ich muss ehrlich sagen, dass ich noch nicht soweit bin. Die Kommission ist doch weniger politisch orientiert und das entspricht mir eher.
Antonia: Ich bin viele Jahre teils ehrenamtlich tätig gewesen und musste mich in vielem als Frau bewähren, nun ist die Zeit gekommen wo ich mich voll und ganz auf meine Arbeit und meine heranwachsenden Kids konzentrieren möchte. Später könnte ich es mir durchaus vorstellen.
Wo seht ihr die zukünftige Rolle der Frau in der Politik?
Eva: Für mich als einzige Frau im Gemeinderat würde ich mir ein vermehrtes Engagement der Frauen wünschen. Die Frauen sollten mutiger sein und sich mehr zutrauen. Ich habe durch die Arbeit in der Kommission und jetzt im GR so viele wertvolle Erfahrungen gesammelt und ständig dazugelernt.
Irene: Das kann ich nur unterstützen. Obwohl wir in Mauren mit vier Frauen im Gemeinderat diesbezüglich nicht klagen können.
Ruth: Ich glaube eher, dass im GR der Aufwand um einiges höher ist als in einer Kommission, und das ist nicht immer vereinbar mit Familie und Berufstätigkeit. So gesehen ist die Kommission ideal für alle, die sich engagieren wollen, aber zeitlich nicht so viele Ressourcen haben.
Antonia: Wir sollten nicht vergessen, dass Frauen bereits viel Pionierarbeit geleistet und längst in Politik und Arbeitswelt Fuss gefasst haben. Auch in Zukunft braucht es sowohl starke Frauen als auch starke Männer. So können wir Vorbilder für unsere Töchter und Söhne sein. Nicht jede Frau strebt allerdings ein Engagement in der Politik an und das ist okay, nur wünsche ich mir, dass diese Frauen sich solidarisch zeigen mit jenen, die etwas bewegen möchten.
Das Thema Parteizugehörigkeit scheint neben mangelndem Selbstbewusstsein für viele Frauen ein Hindernis zu sein.
Ruth: Ich habe nicht den Eindruck, dass die Kommission bei uns aufgrund der Parteizugehörigkeit zusammengestellt wurde, sondern aufgrund von Kompetenzen und Interessen.
Antonia: Parteizugehörigkeit hat in der Kommissionsarbeit nichts zu suchen und ich bin mir sicher, dass Kompetenzen und Interessen bei der Wahl im Vordergrund stehen.
Irene: Für die Wahl zum GR ist das klare Parteibekenntnis denke ich notwendig. Davor sollte man sich aber auch nicht scheuen. In meiner Kommission sind alle Parteien vertreten. In den Kommissionen geht es aber mehr um Sach- und nicht um Parteipolitik.
Eva: Meiner Meinung nach ist es einfach wichtig, dass Frauen diesen Schritt wagen, sei es für eine Kommission oder für den GR. Wir brauchen sowohl die männliche als auch die weibliche Sichtweise in der Politik.

