Finanzen
Vier Frauen aus den Finanzkommissionen im Gespräch über ihre politischen Erfahrungen.
Mit ihrem Engagement in einer Kommission leisten Frauen einen wertvollen Beitrag für die Gemeinde und beweisen damit, dass Politik nicht nur Männersache ist.
Die Interviewrunde zum Thema Finanzen:
Maria Kaiser, Ingrid Allaart-Batliner, Manuela Haldner-Schierscher und
Agathe Pino
Maria Kaiser, Ruggell: GR in zweiter Mandatsperiode und Vizevorsteherin, Mitglied Finanzkommission, Mitglied in den Kommissionen Lohn sowie Verbrennungsanlage, Inspektorin im Schulamt
Ingrid Allaart-Batliner, Mauren: GR in zweiter Mandatsperiode, Vorsitzende Kommission Natur und Umwelt, Mitglied in der Kommission Personal, Organisation, Finanzen, Information und Öffentlichkeitsarbeit sowie in der Baukommission ZUSCHG, Krankenschwester im Ruhestand
Manuela Haldner-Schierscher, Schaan: Seit 07 GR, Mitglied der Finanzkommission, Umweltkommission, Vizepräsidentin Pachtgemeinschaft, Kommission Standort Schaan, Sozialarbeiterin
Agathe Pino, Gamprin: Seit 07 Mitglied der Finanzkommission. Fachberaterin in der Fund Administration VP Bank
Habt ihr euch die Finanzkommission selbst ausgesucht oder seid ihr zugeteilt worden?
Ingrid: In Mauren werden die GR den Kommissionen zugeteilt. Meine Wunschkommission Familie und Senioren war bereits vergeben und ich war mit der mir zugeteilten Kommission Natur und Umwelt einverstanden, wollte aber zusätzlich in der Finanzkommission vertreten sein. Diesem Wunsch wurde dann entsprochen.
Agathe: Infolge eines Austrittes aus der Kommission wurde ich angefragt. Ich denke, mein beruflicher Hintergrund war ausschlaggebend für diese Anfrage und ich habe sehr gerne zugesagt. Das Thema Finanzen ist äusserst vielfältig.
Manuela: In Schaan läuft die Verteilung auf die Kommissionen sehr demokratisch ab. Die Finanzkommission erfüllt meines Erachtens einen sehr wichtigen Auftrag und mir war klar, dass es als Gemeinderätin und als einzige Parteivertreterin meine Pflicht ist, in dieser Kommission mitzuarbeiten.
Maria: Das Amt Vizevorsteherin bringt es in Ruggell mit sich, dass man in der Finanzkommission mitarbeitet. Bei uns sind überhaupt nur Mitglieder des Gemeinderats in dieser Kommission. Ich interessiere mich aber grundsätzlich sehr für Finanzen und Wirtschaft.
Die Finanzen gelten in der Politik ja eher als „Männerdomaine“. Wie viel Gewicht hat eure Stimme in der Kommission?
Ingrid: Frauen haben oft einen anderen Blickwinkel und werten anders. Ich merke, dass das in der Kommission schon wahrgenommen wird, was man als Frau zu sagen hat. Die Umsetzung ist dann wieder ein anderes Thema…
Manuela: Die Finanzen einer Gemeinde sind immer auch ein bisschen ein Befindlichkeitsbarometer. Aber es sind eben nicht nur die nackten Zahlen, sondern es werden auch Wertigkeiten diskutiert. Was macht unsere Gemeinde lebenswert? Wo liegen die Prioritäten? Das können durchaus auch ethische Fragen sein. Als einzige Frau in der Kommission ist meine Meinung in diesen Bereichen gefragt und auch respektiert.
Maria: Die Frage, ob Mann oder Frau, stellt sich bei uns eigentlich nie. Wir diskutieren viel und jedes Mitglied kann seine Meinung einbringen. Oftmals ergeben sich durch diese Gespräche neue Aspekte und Erkenntnisse, welche die Sache dann weiterbringen.
Agathe: In den Anfängen war mein Auftreten sicher eher beobachtend, ich muss mich ja auch erst mit den Abläufen vertraut machen, als nicht Gemeinderätin sowieso. Jetzt kann ich meine berufliche Erfahrung aber sehr gut einbringen.
Hat sich die Finanzkrise auf die Kommissionsarbeit ausgewirkt?
Manuela: In Liechtenstein wird mit Zahlen jongliert, die jedem Gemeindeammann über dem Rhein die Tränen in die Augen treiben würden. Ich musste mich schon erst an die hohen Beträge gewöhnen, über die man in der Kommission auch heute noch diskutiert. Ich persönlich habe jedoch immer schon eine etwas zurückhaltende Finanzpolitik betrieben.
Maria: Von den hier vertretenen Gemeinden hat Ruggell wohl am wenigsten liquide Geldmittel zur Verfügung und wir leben sehr stark vom Finanzausgleich. Deshalb hat der Gemeinderat Ruggell auf Empfehlung der Finanzkommission für das Budget 2009 am Steuerfuss von 200 % festgehalten. Die Krise wird sich erst später in Zahlen niederschlagen. In den Köpfen ist das Bewusstsein jedoch da und das Thema Sparen beschäftigt auch uns.
Ingrid: In den Köpfen vielleicht schon, aber in Tat und Wahrheit muss man sehen, dass man sich hierzulande schon immer noch sehr vieles leistet, obschon der Finanzausgleich nur bis 2011 gesichert ist.
Agathe: Von diesem sind wir alle ja abhängig und wenn man das Gefühl hat, dass all die Grossprojekte wie Schule, Freizeitanlage usw. mit Sparen nichts zu tun haben, so muss man auch sehen, dass dahinter strategische Überlegungen stehen.
Sieht man die Gemeinde in einem anderen Licht, wenn man weiss, welche Beträge darin stecken?
Maria: Bei mir ist das sicher so. Es geht aber nicht nur um die Beträge, die man für den Bau eines Gebäudes investiert hat, sondern vor allem um die Folgekosten.
Agathe: Und diese Folgekosten kommen innert 20 Jahren denen eines Neubaus nahe.
Manuela: Diese Aussage wird die Schaaner ganz schön ins Schwitzen bringen (lacht).
Ingrid: Man kann die Gelder aber auch sehr gut einsetzen oder anlegen. Mauren hat beispielsweise in Microfinance investiert. Dies kommt vor allem Frauen in der dritten Welt zugute. Ich bin stolz, dass gerade wir die erste Gemeinde sind, die so etwas macht.
Nehmen wir mal an, ihr würdet eine Frau für die Finanzkommission anwerben, sie würde sich das aber nicht zutrauen. Was wären eure Argumente, um sie doch noch zu überzeugen?
Manuela: Wir haben vorher von der Finanzkrise gesprochen. Meiner Meinung nach handelt es sich dabei um ein Männerdebakel. Ob Frauen die bessere Finanzpolitik machen? In Kommissionen sollte eine Geschlechterausgewogenheit herrschen, denn gerade die Vielfalt wird die besten Ergebnisse erzielen. Auch bei den Finanzen.
Maria: Dies gilt für mich für alle Bereiche. Ein Nein einer Frau ist manchmal auch darin begründet, dass sie mit Familie und Beruf voll ausgelastet sind.
Agathe: Vor 10 Jahren hätte ich auch noch Nein gesagt zu einer Anfrage, einfach aus zeitlichen Gründen. Zutrauen sollte man es sich aber auf jeden Fall, wenn einen das Gebiet interessiert. Das ist natürlich Voraussetzung.
Ingrid: Ich würde sagen, dass eine Frau, die das Budget einer Familie verwaltet und gesunden Menschenverstand hat, bestens gerüstet ist für die Arbeit in einer Finanzkommission. Grundsätzlich möchte ich aber keine Frauen in der Politik, die man überreden muss und die dann unter Umständen nur Mitläuferinnen sind, sondern engagierte, selbstbewusste und mutige Frauen, die bereit sind, etwas zu bewegen.

