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Gemeinderat - Gruppe 2

Drei Frauen berichten über ihre politischen Erfahrungen im Gemeinderat.

Mit ihrem Engagement als Gemeinderätinnen leisten Frauen einen wertvollen Beitrag für die Gemeinde und beweisen damit, dass Politik nicht nur Männersache ist. 

Die Interviewrunde: 

Gruppenbild 

Claudia Kaiser, Dagmar Gadow und

Denise Büchel

Denise Büchel

 

Claudia Kaiser, Mauren: GR seit 2003, Ressort Gesundheit und Prävention, Mitarbeit Projekt „Muron“und „Zuschg“, Bankangestellte

Dagmar Gadow, Gamprin-Bendern: GR seit 2007, Mitglied Kulturkommission, Keramikmeisterin, Technische Kauffrau, Sekretärin

Denise Büchel, Ruggell: GR seit 2003, Jugendkommission, Vorsitzende Sport- und Freizeitkommission, Teilzeitangestellte, 2 Mädchen erwachsen

 

Woher kommt euer Interesse für die Politik? Wurde es euch im Sinne der Familientradition in die Wiege gelegt?

Dagmar: Bei mir kann man schon von Familientradition sprechen. Bei uns wurde eigentlich immer politisiert zu Hause. Mein Interesse war also schon früh geweckt. Ich habe mich stets durch die Zeitungen und Besuche an Parteiversammlungen auf dem Laufenden gehalten.

Denise: Politik im weitesten Sinne hat mich zwar immer interessiert, doch als gebürtige Schweizerin habe ich mich erst durch die Heirat mit der Gemeindepolitik befasst.

Claudia: Der Grundstein wurde bei mir wohl durch meine Mitarbeit in der Jugendkommission gelegt, als ich selbst noch ganz jung war. Danach habe ich das politische Geschehen zwar aufmerksam, aber nur noch passiv mitverfolgt. Die Anfrage für die Kandidatur im Gemeinderat kam deshalb doch überraschend für mich. 

Welche Gedanken habt ihr euch vor dem definitiven Ja zur Kandidatur gemacht?

Denise: Mich hat die Anfrage auch überrascht, da ich, ausser der Mitarbeit im Ortsgruppenvorstand, nicht politisch aktiv war. Aber anscheinend hatte es sich herumgesprochen, dass ich meine Standpunkte gut vertreten kann, auch wenn sie nicht immer der Mehrheit entsprechen, und das braucht es in der Politik. Durch Gespräche mit einer anderen Gemeinderätin habe ich mich dann sehr schnell dazu entschieden, zu kandidieren.

Dagmar: Bedenkzeit habe ich keine gebraucht. Für mich war klar, dass ich mich zur Verfügung stellen werde, auch aus Solidarität zu den Frauen. Es hat mich auch gefreut, dass Vertrauen in meine Person gesetzt wurde.

Claudia: Ganz so schnell habe ich mich nicht entschieden. Ich habe mich gefragt, wieso gerade ich angefragt wurde und ob ich dem auch gewachsen sein würde. Die Information über den Umfang und Inhalt der Aufgabe war wichtig für mein definitives Ja.

Kann man sich überhaupt auf so eine Aufgabe in der Theorie vorbereiten?

Denise: Nicht wirklich. Man weiss ja auch nicht, ob man wirklich gewählt wird und wenn ja, wie die Zusammensetzung des Gemeinderates sein wird. In meiner ersten Amtsperiode waren von unserer Fraktion allesamt neu. Jeder musste sich also erst selbst einmal orientieren. Wir hatten viel Unterstützung vom Vorsteher, an den wir uns mit unseren Fragen wenden konnten.

Claudia: Auch die Ressortverteilung wird ja erst nach den Wahlen gemacht. Insofern ist es dann ein learning-by-doing. Ich würde sogar sagen, dass die erste Amtsperiode wie eine Art Lehre ist. Das geht allen so und man darf sich halt nicht scheuen, erfahrene Kollegen bei Unsicherheiten zu fragen.

Dagmar: Am Anfang gibt es tatsächliche viele Unbekannte, was die Arbeit und die Abläufe im Gemeinderat betrifft. Ich habe mich über das Gemeindeblatt über das aktuelle Geschehen informiert. Das hat mir schon etwas gebracht, doch schlussendlich muss man auch ein bisschen Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten haben und es einfach auf sich zukommen lassen.

Die Nomination ist eine, die Wahl eine andere Sache. Hattet ihr auch Angst, eventuell nicht gewählt zu werden?

Claudia: Damit muss man sich natürlich im Vorfeld auseinandersetzen. Es darf keine Welt zusammenbrechen bei einer Nichtwahl. Eine Garantie gibt es für niemanden.

Denise: Aus meiner Sicht ist die Nichtwahl bei der ersten Nomination nicht so schlimm, denn dann wird man einfach nicht gewählt, aber man hat auch noch nichts falsch gemacht. Beim zweiten Mal ist es sicherlich schwieriger, denn dann würde man eine Nichtwahl darauf zurückführen, dass die BürgerInnen mit deiner politischen Arbeit nicht zufrieden waren.

Dagmar: Der Ehrgeiz, gewählt zu werden, ist natürlich da, sonst müsste man ja nicht kandidieren. Ich habe mir deswegen aber nicht so grosse Gedanken gemacht. Wäre ich nicht gewählt worden, hätte ich sicherlich im ersten Moment ein bisschen daran zu nagen gehabt, doch ich hätte es akzeptieren können.

Nun seid ihr mittendrin in der Gemeinderatarbeit. Entspricht sie dem, was ihr euch erwartet habt?

Denise: Positiv ist für mich der Umgang untereinander. Es wird wirklich zum grossen Teil Sachpolitik betrieben. Zeitmässig habe ich die Arbeit ein bisschen unterschätzt, denn nebst den Gemeinderatsitzungen kommen ja noch die Kommissionssitzungen und diverse Anlässe dazu.

Claudia: Ich habe gelernt, Prioritäten zu setzen. Auch innerhalb der Fraktion kann man sich absprechen, wer wo anwesend ist. Was die eigentliche Arbeit betrifft, so hatte ich am Anfang Bedenken, dass die VU als Minderheit im Gemeinderat mit ihren Anliegen untergehen könnte. Das hat sich zum Glück nicht ganz bewahrheitet.

Dagmar: Dasselbe gilt für uns. Aber es gehört nun mal zu den Spielregeln der Politik, Farbe zu bekennen. Diese spielt aber bei den Entscheidungen weniger eine Rolle. Wichtig ist, dass man seine Meinung darlegen und diskutieren kann. Schlussendlich muss im Sinne der Sache entschieden werden.

Tragen die Fraktionssitzungen zu dieser Entscheidungsfindung bei?

Denise: Auf jeden Fall. Wenn ich in die Fraktionssitzung gehe, habe ich ja schon eine Meinung zu einem Thema. Dann wird diskutiert und jeder bringt wieder andere Aspekte ein, die man eigentlich vorher gar nicht bedacht hatte. Das ist wichtig, gerade bei Ressorts, die man selbst nicht so gut kennt.

Dagmar: Die Fraktionssitzungen sind ein erster Schritt. In der Gemeinderatssitzung selbst wird dann parteiübergreifend diskutiert bis es zur endgültigen Entscheidung kommt.

Claudia: Auch über Themen des eigenen Ressorts kann man in der Fraktionssitzung bereits vorinformieren, was auch für die Kolleginnen und Kollegen eine Arbeitserleichterung darstellt. Ohne Fraktion würde man sich vielleicht dann doch wie eine Einzelkämpferin fühlen und Politik sollte kein Einzelkampf sein.

Der Frauenanteil in den Gemeindräten ist zum Teil erschreckend niedrig. Würdet ihr das gerne ändern?

Dagmar: Eigentlich geht es nicht um Frauen oder Männer, sondern generell um das Interesse der aktiven Mitarbeit in der Politik. Langsam müssen wir uns Gedanken machen. Bemühungen sind ganz sicher da, aber es wird immer schwieriger, überhaupt KandidatInnen zu finden.

Claudia: Die Suche nach Frauen und Männern wird von unserer Partei sehr aktiv betrieben. Aber so einfach ist es eben nicht. Vielleicht geht es uns noch zu gut, es läuft ja mehr oder weniger alles rund. Darum denken auch viele nicht daran, aktiv mitzuwirken.

Denise: Ja, das Problem ist nicht nur ein Frauenproblem, sondern ein Allgemeines. In einem Gemeinderat sollten Menschen mit möglichst unterschiedlichem beruflichem Hintergrund vertreten sein. Natürlich auch gerne mehr Frauen, doch das Wichtigste ist die Motivation, sich für seine Gemeinde einsetzen zu wollen.