Gesundheit
Vier Frauen aus den Gesundheitskommissionen im Gespräch über ihre politischen Erfahrungen.
Mit ihrem Engagement in einer Kommission leisten Frauen einen wertvollen Beitrag für die Gemeinde und beweisen damit, dass Politik nicht nur Männersache ist.
Die Interviewrunde zum Thema Gesundheit/Soziales:
Alice Hagen-Ospelt, Dagmar Schneeberger-Öhri, Gina Hasler und
Claudia Hoch
Gina Hasler, Eschen: Seit 2007 GR, Vorsitz Gesundheits- und Seniorenkommission
Alice Hagen-Ospelt, Vaduz: Seit 03 GR und seit 07 Vizebürgermeisterin Vaduz, Vorsitzende Referat für Sozial- und Gesundheitswesen daneben aktiv in weiteren Kommissionen.
Dagmar Schneeberger-Öhri, Schellenberg: Seit 04 Mitglied der Gesundheitskommission Schellenberg/Gamprin.
Claudia Hoch, Triesen: Seit 07 Mitglied der Gesundheitskommission Triesen.
Wie seid ihr zum Einsatz im Gemeinderat und/ oder der Gesundheitskommission gekommen?
Gina: Ich wurde angefragt für die Arbeit im Gemeinderat. Ich habe mir das sehr lange überlegt und für mich war wichtig, dass ich dann auch in einem Ressort eingesetzt werde, von dem ich etwas verstehe. Durch meine Arbeit im Altersheim war das Thema Senioren und Gesundheit naheliegend.
Claudia: Auch ich wurde angefragt für die Mitarbeit in der Kommission.
Dagmar: Ich bin grundsätzlich der Meinung, dass jeder und jede sich irgendwann im Leben einmal für die Gemeinschaft engagieren sollte. Als ich dann angefragt wurde, musste ich auch nicht lange überlegen, da ich beruflich mit dem Thema Gesundheit zu tun habe. Speziell war vielleicht noch, dass ich zugleich den Auftrag bekam, die Gesundheitskommission aufzubauen, also Leute zu suchen, die sich ebenfalls gerne engagieren möchten.
Alice: Für den Gemeinderat wurde ich angefragt. Bei der Vergabe der Kommissionen wurde erst einmal geschaut, welche Kommissionen zur Verfügung stehen und wo die Interessen liegen. Durch meine langjährige Erfahrung im Mahlzeitendienst hat mich das Thema Soziales/Gesundheit sehr angesprochen. Erst war ich Mitglied und seit 2007 führe ich nun den Vorsitz dieses Referates. Integriert sind auch die Kommission Vaduz für Alle und die Mitarbeit in der Pfarrei-Caristas.
Denkt ihr, dass ihr aus parteipolitischen Gründen angefragt wurdet?
Claudia: Ich wurde zwar von der Freien Liste angefragt, doch ich glaube, es lag eher daran, dass man mich gekannt hat und gewusst hat, dass ich schon früher einmal in einer Kommission mitgearbeitet habe und deshalb vielleicht ein Interesse haben könnte.
Alice: Eigentlich suchen die Parteien ja die Kommissionsmitglieder und das kann durchaus ein Knackpunkt sein für eine Frau. Viele wollen sich nicht parteipolitisch outen. Ich denke, es würden sich mehr Frauen engagieren, wenn sie nicht Angst hätten, irgendeinen Parteistempel aufgedrückt zu bekommen. Meine Erfahrung zeigt mir, dass in den meisten Kommissionen die Parteiangehörigkeit keine Rolle spielt.
Gina: Bei der Suche nach Kommissionsmitgliedern geht es in erster Linie um den Bezug zur Sache, wobei natürlich auch darauf geachtet wird, dass die Zusammensetzung parteipolitisch möglichst ausgewogen ist.
Dagmar: Als ich den Auftrag bekam, die Kommission zusammenzustellen, hatte ich überhaupt keine Vorgaben bezüglich der Parteizugehörigkeit, sondern man wollte Leute in der Kommission, die wirklich eine Affinität zum Thema haben. Ich finde diese Variante sehr interessant als zukünftiges Modell. So wären die Kommissionen optimal besetzt und man käme vom parteipolitischen Knäuel weg.
Könnt ihr ein Beispiel eurer Aktivitäten in der Kommission geben?
Alice: In diesem Jahr haben wir beispielsweise einen Gesundheitstag gemeinsam mit Schaan organisiert.
Gina: Wir haben in letzter Zeit etwas zurückgefahren mit dem Programm in punkto Vorträge und Veranstaltungen, da wir finden, dass es gerade in diesem Bereich schon fast eine Übersättigung gibt.
Dagmar: Auch wir sind der Meinung, dass ein zu grosses Angebot die Leute zusätzlich stresst und das kann ja nicht der Sinn der Sache sein. Wir haben uns deshalb dem Thema Ernährung angenommen und geschaut, was an öffentlichen Anlässen denn so auf dem Speiseplan steht. Das Resultat hat uns dazu veranlasst, eine Broschüre mit dem Namen „Alles Wurst“ herauszugeben. Sie enthält wertvolle Tipps für ein schmackhaftes und gesundes Angebot an öffentlichen Anlässen.
Claudia: Aus dieser Broschüre haben wir den Schwerpunkt Trinken herausgepickt. Daraus ist das Projekt „Trinkbrunnen“ entstanden, erst in der Primarschule und auf dem Sportplatz, wahrscheinlich auch bald in der weiterführenden Schule. Schliesslich haben wir zum Thema Humor einen Kabarettabend mit Jutta Hoop organisiert, der ein überwältigendes Echo fand.
Deckt sich die Erfahrung in der Kommission mit den Vorstellungen, die ihr zu Anfang davon hattet?
Dagmar: Ich war überrascht von der grossen Gestaltungsfreiheit die wir haben, wenn es darum geht, was wir machen. Ich habe mit viel mehr vorgegebenen Themen gerechnet.
Claudia: Das deckt sich mit meinen Erfahrungen. Ausserdem habe ich mit viel mehr Arbeit gerechnet, als es nun tatsächlich ist. Diese Aufgabe lässt sich auch für eine berufstätige Frau gut bewältigen.
Gina: Ausserdem ist es eine unbezahlbare Lebenserfahrung, ob in der Kommission oder im Gemeinderat. Ich würde mir wünschen, dass auch junge Frauen sich vermehrt einbringen.
Dagmar: Erst wenn man selbst mitarbeitet, versteht man die Zusammenhänge im Gemeindewesen besser und man kann in dem Bereich, der einem interessiert, etwas bewegen.
Alice: Ich kann jeder Frau empfehlen, sich darauf einzulassen. Die Arbeit im Gemeinderat ist hochspannend, lehr- und abwechslungsreich. Dazu kommt, dass Frauen sich bestens eignen für diese Arbeit. Sie sind flexibel und gewohnt, verschiedenste Aufgaben zu meistern. Stichwort Multitasking.
Offensichtlich glauben aber viele Frauen selbst nicht an diese Fähigkeiten?
Gina: Ja, wir Frauen sind vielleicht so, dass wir alles perfekt machen wollen, wir hinterfragen uns ständig.
Claudia: Männer gehen eher in die Offensive und somit unbekümmerter an eine solche Aufgabe. Die Hemmschwelle bei Frauen ist sicher höher.
Dagmar: Für mich ist nicht relevant, ob dies Frau oder Mann betrifft. Jede und Jeder ist fähig, sich gemäss seinen Interessen einzubringen.
Alice: Für eine Frau ist es organisatorisch oft schwieriger, Beruf, Familie und dann auch noch die Mitarbeit in einer Kommission unter einen Hut zu bringen.
Gina: Aber auch junge Mütter könnten sich mit so einer Tätigkeit für einen möglichen Wiedereinstieg ins Berufsleben Vorteile sichern. Gerade der Einsatz in einer Kommission ist zeitlich überschaubar, ist aber in jedem Fall ein Gewinn und hilft dabei, am Ball zu bleiben.

