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Jugend

Vier Frauen aus den Jugendkommissionen im Gespräch über ihre politischen Erfahrungen.

Mit ihrem Engagement in einer  Kommission leisten Frauen einen wertvollen Beitrag für die Gemeinde und beweisen damit, dass Politik nicht nur Männersache ist. 

Die Interviewrunde zum Thema Jugend:

 Jugend

 Claudia Veit, Norma Verling, Annette Hoop

 Patricia

und Patricia Lingg-Biedermann

 

Norma Verling, Schaan: Seit 2007 in der Kommission für Gemeinwesenarbeit, Familienfrau, verheiratet, 3 Kinder

Patricia Lingg-Biedermann, Mauren: Seit 2000 in der Jugendkommission, Chorleiterin und Organistin verheiratet, 4 Kinder

Claudia Veit, Vaduz: Seit 1998 mit Unterbrüchen in der Jugendkommission, Leiterin der offenen Jugendarbeit, soziokulturelle Animatorin, verheiratet, vier Stiefkinder

Annette Hoop, Eschen: Seit 2008 in der Jugendkommission, gelernte Bürokauffrau, seit 2001 Familienmanagerin und Kinderbetreuerin, verheiratet, 2 Kinder

  

Weshalb engagiert ihr euch für die Jugend?

Norma: Ich war lange in der Elternvereinigung tätig und aus dieser Funktion heraus kam dann mein Interesse, in der Kommission mitzuwirken. Allerdings haben wir keine reine Jugendkommission mehr, sondern Jugend, Senioren und Familie sind zusammengefasst. Bei Jugendthemen arbeiten wir aber eng mit anderen Stellen im Jugendbereich zusammen.

Patricia: Da ich selbst vier Kinder habe, liegt mir das Thema natürlich sehr am Herzen. Auch in meiner Arbeit als Chorleiterin bin ich oft und gerne mit Kindern und Jugendlichen zusammen.

Annette: Die Elternvereinigung Eschen, in welcher ich im Vorstand bin, hat Einsitz in der Jugendkommission. Als der Sitz vakant wurde, war ich gerne bereit diese Aufgabe zu übernehmen. Beruflich und durch meine eigenen Kinder habe ich einen engen Bezug zum Thema. Ausserdem bin ich überzeugt vom Engagement der Jugendarbeiter in Eschen.

Claudia: Natürlich sind Themen rund um die Jugend schon von Berufes wegen sehr interessant für mich. Als Leiterin der offenen Jugendarbeit ist mein Sitz in der Kommission vorgegeben.

Welche Themen stehen momentan bei euch auf der Agenda?

Annette: In Eschen ist ein Trend zu verzeichnen, dass die Jugendlichen ab einem bestimmten Alter den Jugendtreff nicht mehr so gerne aufsuchen. Sie haben den Wunsch geäussert, einen Treffpunkt in Form einer Jugendkneipe zu bekommen. Dieses Anliegen wird derzeit in der Kommission behandelt.

Norma: Ein Dauerbrenner in Schaan sind die öffentlichen Plätze, auf denen sich die Jugendlichen - nicht immer zur Freude von Gemeinde und Anwohnern – versammeln. Man versucht derzeit, die Lage mit Einsatz der Securitas zu kontrollieren, aber das ist sicher auf Dauer keine befriedigende Lösung. Ähnlich wie in Eschen suchen wir nach Möglichkeiten, Raum zu schaffen für die Bedürfnisse der Jugendlichen.

Claudia: Auch in Vaduz ist das ein ständiges Thema. Jugendliche brauchen Raum für sich, ohne kontrolliert zu werden. Sie wollen sich auch ausserhalb der Jugendtreffs bewegen, sich ausprobieren usw. Das sind Übungsfelder, die für die Entwicklung wichtig sind, aber je länger je mehr fehlen. Unlängst haben wir ausserdem zum Thema Littering (Vermüllung) einen Film gemacht, der momentan in verschiedenen Kinos zu sehen ist.

Patricia: In Mauren ist der Weiherring ein grosser Anziehungspunkt für Jugendliche. Auch wir haben einen Sicherheitsdienst und manchmal gehe ich selbst vorbei, und schaue, ob alles in Ordnung ist. Diese „Überwachung“ sollte eigentlich nicht nötig sein, aber ich glaube, wenn man das einige Zeit macht, wissen die Jugendlichen, wo die Grenzen sind. Die Situation hat sich bei uns jedenfalls bereits verbessert.

Wie viel Mitspracherecht haben die Jugendlichen bei der Planung konkreter Massnahmen?

Claudia: Partizipation ist sehr zentral in der Jugendarbeit. Die Skateranlage zum Beispiel war eine Initiative der Jugendlichen selbst und wurde dann mit Hilfe der Gemeinde umgesetzt. Auch der Bürgermeister war schon einmal Jugendtreff, um direkt mit den Jugendlichen zu kommunizieren.

Annette: Unsere Jugendarbeit ist gerade dabei, einen Bedarfsbogen für die Jugendlichen zu erarbeiten, wo sie sich einbringen und mitteilen können, was generell gewünscht wird. Nach  der Auswertung arbeiten wir in der Kommission aus, was und wie etwas umsetzbar ist.

Patricia: In Mauren können die Jugendlichen ihre Anliegen direkt bei der Kommission einbringen und wir tragen diese dem Gemeinderat vor. Allerdings müssen sie auch Verantwortung übernehmen und lernen, für Verstösse, z.B. beim Alkoholkonsum, die Konsequenzen zu tragen. Es ist schon nicht so, dass man ihnen alle Wünsche ohne Gegenleistung erfüllt.

Norma: Diese Erfahrung haben wir in Schaan mit dem Jungendcafé „Dice“ gemacht, das von  Jugendlichen mit viel Herzblut geführt wurde. Trotzdem tauchten einige Probleme, wie Lärm, Littering etc auf. Mit Hilfe der Offenen Jugendarbeit, die dieses Projekt begleitete, wurde nach Lösungen für diese Probleme gesucht und die Jugendlichen starteten eine Aufklärungsaktion.

Wie sieht es mit der Jugendförderung innerhalb der Kommissionen aus?

Patricia: Für mich ist es nicht zwingend, dass in der Jugendkommission junge Leute sein müssen, allerdings sollten sie je nach Thema beigezogen werden.

Annette: Wichtiger als das Alter ist der Bezug zum Thema und echtes Interesse etwas bewirken zu wollen. Generell finde ich es gut, auch die Jugend zu involvieren.

Norma: Und dieses Interesse ist bei der Jugend sicher noch nicht so gross. Wir haben einmal einen Workshop organisiert, bei dem wir gerade mal zwei Jugendliche zum Mitmachen animieren konnten…

Claudia: Die Kommissionsmitglieder werden bei uns nach Parteien oder, wie in meinem Fall, nach Funktionen bestellt. Ganz junge Leute werden deshalb vielleicht auch nicht angefragt. Es gibt aber andere Gremien, wie z.B. den Jugendrat oder das Jugendparlament, wo sie sich einbringen können.

Denkt ihr, dass junge Frauen in Liechtenstein heute politisch interessierter sind als noch vor 20 Jahren?

Claudia: In der Jugend hat man natürlich meist andere Dinge im Kopf und zudem stelle ich fest, dass viele junge Frauen nicht im Land bleiben, sondern für Studium und Beruf ins Ausland ziehen. Doch in der Jugendarbeit versuche ich, das politische Bewusstsein gerade auch bei den Mädchen zu fördern.

Norma: Ich bin sicher, dass hier auch Potenzial vorhanden ist. Vielleicht könnte man die Frauen gezielter ansprechen. Ausserdem glaube ich, dass gut ausgebildete Frauen sich automatisch auch politisch mehr engagieren möchten.

Annette: Ich finde, dass dieses Engagement nichts mit dem Bildungsgrad zu tun haben sollte, und denke, das Gleichgewicht zwischen den Geschlechtern in der Politik ist nur noch eine Frage der Zeit.

Patricia: Also ich mache mir überhaupt keine Sorgen um den weiblichen Nachwuchs in der Politik. Wir müssen uns einfach mehr gedulden. Forcieren kann man das sicher nicht.