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Umwelt

Drei Frauen aus den Umweltkommissionen im Gespräch über ihre politischen Erfahrungen.

Mit ihrem Engagement in einer  Kommission leisten Frauen einen wertvollen Beitrag für die Gemeinde und beweisen damit, dass Politik nicht nur Männersache ist. 

Die Interviewrunde zum Thema Umwelt:

Umwelt

Christel Kaufmann, Diana Heeb-Fehr und Birgit Hilti-Oehri

Christel Kaufmann

Christel Kaufmann

 

Christel Kaufmann, Balzers: Gemeinderätin seit 2007, Ressort Umwelt und Verkehr, Vorsitzende der Umweltkommission, freiberufliche Katechetin und Kursleiterin, 2 erwachsene Töchter

Birgit Hilti-Oehri, Ruggell: Seit 1999 in der Umweltkommission, davon 4 Jahre als Gemeinderätin, dipl. Kinesiologin SNH,verheiratet, 3 Kinder

Diana Heeb-Fehr, Triesenberg: Seit 2003 in der Natur-und Umweltkommission, Landschaftsarchitektin, verheiratet

 

Weshalb habt ihr euch für die Umweltkommission entschieden?

Diana: Ich denke, ich wurde vor allem aufgrund meines Berufes angefragt. Damals war ich noch Studentin und sehr interessiert, im Bereich Umwelt etwas für die Gemeinde beizutragen, zumal das Thema sehr breit gefächert ist.

Christel: Ein bisschen wurde von mir als Vertreterin der Freien Liste erwartet, dass ich diese Kommission wähle und das Thema liegt mir natürlich sehr am Herzen. Aufgrund meines Berufes wären mir allerdings die Ressorts Jugend oder Soziales noch näher gewesen, aber diese wurden auch von anderen gewünscht und so war ich einverstanden, das Umweltressort zu übernehmen.

Birgit: Als ich noch Gemeinderätin war, wurden die Kommissionen eher nach Parteien besetzt und ich habe dann eine ausgesucht, die mich von der Zusammensetzung, aber auch vom Thema angesprochen hat.

Was waren die bis anhin wichtigsten Umweltprojekte, die ihr mitgestalten konntet?

Birgit: Da war einmal die Einführung der Subventionierung für Dachbegrünungen, dann haben wir die Förderung von Fotovoltaik Anlagen vorangetrieben und natürlich war und ist die Renaturierung des Mühlebachs ein wichtiges Projekt zur Erhaltung und zur Förderung des Fischbestandes. Weiter daran zu arbeiten war für mich auch die Motivation, nach meiner Amtszeit als Gemeinderätin weiter in dieser Kommission zu bleiben.

Diana: Als Erfolg darf bei uns sicher die Einführung der Flexicard gewertet werden, zumal sie zuerst abgelehnt wurde. Da haben wir aber nicht locker gelassen und jetzt wird sie, wie in allen Gemeinden, sehr gut genutzt. Ein ganz wichtiges Projekt, nämlich die Zertifizierung zur Energiestadt, läuft derzeit. Da können wir uns viel von den Gemeinden abschauen, die dieses Label bereits haben.

Christel: Da gibt es einige. Erwähnen möchte ich das Radforum, welches Aktionen zur Förderung des Radfahrens im Dorf geboten hat. Ein anderes Beispiel ist der Umwelttag, den wir heuer bereits zum zweiten Mal durchführen. Da gibt es einen Postenlauf durch die Gemeinde mit Informationen zu Wasser, Renaturierung, Jagd usw. Die Bewusstseinsbildung der Bevölkerung beim Thema Umwelt hat für uns einen hohen Stellenwert, denn nur wenn man den Nutzen einer Aktion versteht, wird man auch dahinterstehen und mitmachen.

Ist es denn immer so einfach, mit Umweltthemen beim Gemeinderat durchzukommen?

Diana: Nein, das ist nicht immer einfach. Beim Thema Umwelt wird immer wieder auch gespart. So gesehen könnte es auch in Zukunft schwierig werden, mit allen Anliegen der Kommission beim Gemeinderat durchzukommen. 

Birgit: Klar haben Umweltanliegen nicht immer oberste Priorität. Ich habe die Renaturierungen erwähnt, die ich als Erfolg werte, aber eigentlich hätten wir uns da noch mehr gewünscht, zum Beispiel beim Bau der Freizeitanlage Widau. Das hätte man gut miteinbeziehen können. Ein anderes Beispiel ist das Musikhaus, bei dem wir das eine oder andere gerne eingebracht hätten. Mit solchen Rückschlägen muss man leben und sich an den positiven Ergebnissen freuen.

Christel: Manchmal ist es schon frustrierend, wenn man über ein paar Sitzungen hinweg etwas erarbeitet und der Gemeinderat dann ablehnt. Einerseits hat man in der Kommission viel Freiraum, aber letztlich keine Entscheidungsbefugnis. So will es das System.

Müssen in diesem System, auch im Hinblick auf die Suche nach KandidatInnen für den Gemeinderat oder die Kommissionen, neue Wege beschritten werden?

Christel: Wir haben das tatsächlich schon diskutiert im Gemeinderat und eine mögliche Variante wäre, anstatt der Kommissionen nur punktuell Arbeitsgruppen einzusetzen. Der Einsatz wäre dann befristet und genau auf das Interessengebiet der einzelnen abgestimmt. Für den Gemeinderat selbst könnte auch eine Verkleinerung ins Auge gefasst werden.

Diana: Würde man die Kommissionen durch Arbeitsgruppen ersetzen, wäre unter Umständen die Kontinuität nicht mehr gewährleistet, die es braucht, um nachhaltig etwas in Gang zu bringen. Aber auf jeden Fall sollte man offen sein für neue Formen der Zusammenarbeit. Ich glaube, dass es nicht unbedingt jedem liegt, politisch Farbe bekennen zu müssen. Das könnte mit ein Grund sein für die eher harzige Kandidatensuche.

Birgit: Das Problem liegt nicht nur am System, sondern auch an jedem einzelnen. Kritisiert wird schnell, aber nur wenige sind bereit, selbst einen Einsatz zu leisten. Meiner Meinung nach sollte jeder irgendwann einmal in einer Kommission oder im Gemeinderat aktiv sein. Dies würde auch viel zur Identifikation mit dem eigenen Dorf beitragen.

Könnt ihr all jenen, die sich ihrer Eignung für eine Kandidatur nicht sicher sind, ein paar Expertentipps geben?

Diana: Für all jene, die sich vielleicht vor dem Arbeitsaufwand oder davor fürchten, nicht gewählt zu werden, kann die Kommissionsarbeit ein gutes Betätigungsfeld sein. Wer Interesse an einem bestimmten Gebiet hat und in der Gemeinde etwas bewegen möchte, bringt bereits die richtigen Voraussetzungen für eine solche Arbeit mit.

Birgit: Ich habe die Arbeit immer auch als persönliche Chance gesehen. Wer sich engagiert, der schafft sich auch ein neues soziales Umfeld, erwirbt zusätzliche Kompetenzen und nicht zuletzt auch Anerkennung von aussen, die einem vielleicht gerade während der Familienphase fehlt. Ich habe in vier Jahren Gemeinderat zwei Kinder zur Welt gebracht und für mich war es wichtig, mich auch mit Themen ausserhalb der Familienarbeit zu beschäftigen.

Christel: Der Politiklehrgang für Frauen hat mir persönlich auch Mut gemacht zu kandidieren. Aber eigentlich müssen die Frauen nur genau hinschauen und sie werden entdecken, wie viel sie mitbringen. Beruf, Familie, Ehrenämter in der Gemeinde. Das ist eine Fülle an Erfahrungen und Kompetenzen. Deswegen werden sie gebraucht, und nicht, weil sie Frauen sind. Das muss bereits bei der Anfrage ganz klar kommuniziert werden.